Unsere Reise nach Ruanda 2025

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Vom 04. Oktober bis zum 16. Oktober 2025 ist wieder eine Gruppe der IGS LuGa in Ruanda gewesen. Um die Lehrkräfte Frau Eicher, Herr Schön und Herr Schödl und die Organisatorin Frau Schneider mit ihrem Ehemann fand sich eine Gruppe aus 10 Schülerinnen und Schülern, vor allem aus den Jahrgängen 11 und 12, aber auch aus der 9. Klasse, um sich zusammen auf diese ganz besondere Reise zu begeben. Dass es keine Klassenfahrt im herkömmlichen Sinn werden würde, wurde in einigen vorbereitenden Treffen klar gemacht und jedem sollte klar gewesen sein, dass diese Reise auch einige herausfordernde Situationen und Verzicht bedeuten würde. Dennoch freuten wir uns, mit einer motivierten Gruppe in Richtung Kigali zu starten. In der ersten Woche machten wir eine Rundreise durch das Land und konnten möglichst viel von der Natur, dem Essen, der Kultur und den Menschen mitnehmen. Nicht nur bei touristischen Ausflügen in Kigali, bei einer Safari-Tour im Akagera-National-Park, beim ehemaligen Königshof in Nyanza, bei einer Wanderung inklusive Hängebrücke im Nyungwe National Forest, am Kivu-See oder bei einer Vulkan-Besteigung im Volcanos National Parc konnten wir viel von der abwechslungsreichen Landschaft des „Landes der tausend Hügel“ sehen, sondern insbesondere bei Begegnungen mit den Menschen vor Ort tiefe und bleibende Eindrücke von der Lebenswelt der Menschen bekommen. Beispielsweise lernten wir einiges zum Gesundheitssystem beim Besuch einer Krankenstation von Frau Dr. Uta Düll. Beim anschließenden Besuch der Volksgruppe der Twa wurden wir sehr freundlich und neugierig empfangen. Nach einer Vorstellung mit Tanz und Gesang zeigte uns eine Familie ihr Haus und ihr Hab und Gut und wir brachten neben Bohnen zum Einpflanzen, Kaltgetränke und Gebäck mit, die wir mit den Twa gemeinsam aßen und tranken.

Besonders intensiv war natürlich die Zeit an der Partnerschule. Bei vielen gemeinsamen Projekten, im Unterricht, gemeinsamen Spielen und Sport beim Germany-Day und in den Pausen gab es viele Gelegenheiten, ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen.

Ein Projekt zwischen den deutschen und ruandischen Schülerinnen und Schülern war das Herstellen von Seife:

Da wir die Rückmeldung erhalten hatten, dass viele Familien sich keine Seife leisten können, war schnell klar, dass wir Seife herstellen würden. Seife zu machen, ist eigentlich gar nicht so schwer; man benötigt lediglich Natriumhydroxid, um Natronlauge herzustellen und Öl. Je nach Öl muss man die Menge an Natriumhydroxid berechnen. Auch ist es wichtig, die Sicherheitsauflagen einzuhalten, da Natronlauge extrem ätzend ist. Vor allem die Augen müssen durch eine Schutzbrille geschützt werden. Ziel war es, ein Rezept zu entwickeln, das kostengünstig nachzumachen ist.

Wir haben uns vor der Reise mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern getroffen, um die Seifenherstellung zu üben. Ziel war es, unsere Schülerinnen und Schüler zu Experten zu machen, damit sie ihr Wissen in Ruanda weitergeben können. Zuerst haben wir eine „gelingsichere“ Seife aus Sonnenblumen- und Rapsöl hergestellt. Es stellte sich aber heraus, dass dieses Rezept nicht kostengünstig ist und unsere verwendeten Öle in Ruanda viel zu teuer sind. Also fingen wir an, zu experimentieren und stellten Seife mit verschiedenen in den Tropenländern günstigen Ölen her. Auch Margarine haben wir verwendet; alle Seifen waren ein Erfolg. Damals wussten wir noch nicht, welches Öl in Ruanda am günstigsten ist, deshalb wollten wir für alle Eventualitäten gewappnet sein. Wir besorgten auch alle notwendigen Gerätschaften: 30 Schutzbrillen, Handmixer, Waage, Handschuhe, Schüsseln, Duftöle und Butterbrotpapier zum Einpacken der fertigen Seife. Auch Lavendelblüten nahmen wir mit. Vor Ort mussten wir lediglich Natriumhydroxid und das günstigste Öl kaufen. Gleich nach unserer Ankunft in Kigali stürmten wir los und durchforsteten die Läden nach dem billigsten Öl. Gleichzeitig baten wir den Schulleiter unserer Partnerschule, Natriumhydroxid für uns zu besorgen. Die Schülerinnen und Schüler waren etwas geschockt, als sie erfuhren, dass Palmöl das günstigste Öl in Ruanda ist. Für uns Europäer ist Palmöl oft mit Umweltzerstörung verbunden. Wir mussten Überwindung zeigen, um unser europäisches Gedankengut abzulegen und tatsächlich Palmöl zu kaufen. So kauften wir 10 Liter Palmöl, bevor wir die Partnerschule besuchten.

Jeder deutsche Schüler arbeitete mit 4-5 ruandischen Schülerinnen und Schülern zusammen. Die ruandischen Schülerinnen und Schüler erhielten von den Laborassistenten vor Ort einen Laborkittel und Masken. Es war eine Herausforderung, sie davon zu überzeugen, dass die Maske keinen Schutz vor Natronlauge bietet. Schutzbrillen mussten unbedingt getragen werden.

Tatsächlich waren wir erfolgreich. Wir haben 50 Seifenstücke hergestellt und unser „Rezept“ geteilt. Da die Seife sechs Wochen reifen muss, konnten wir das Ergebnis nicht mehr vor Ort miterleben, erhielten jedoch ein Video und mehrere Fotos von der Seife im Einsatz. Wir haben alle Materialien dort gelassen und hoffen, dass von nun an regelmäßig Seife an der Partnerschule hergestellt wird.

Nachdem wir nach unserem Rezept feste Seife hergestellt hatten, zeigten uns die ruandischen Schülerinnen und Schüler, wie sie gelernt haben, flüssige Seife herzustellen. Es musste mit viel Körpereinsatz gemischt werden. Ein besonderer Moment war das Hinzufügen von verschiedenen Farbstoffen. Auch der Schulleiter unserer Partnerschule ließ sich diesen Moment nicht entgehen und zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen und dem gelungenen Austausch und dem Miteinander.

Wir sind davon überzeugt, dass die Reise eine gute, bereichernde, lehrreiche und bleibende Erfahrung für die Teilnehmenden war. Dies bezeugt auch folgender Bericht eines teilnehmenden Schülers:

„Der Aufenthalt in Ruanda war für mich etwas ganz Besonderes. Ich habe dort viele neue Eindrücke bekommen und Dinge gesehen, die ich so noch nie erlebt habe. Am besten hat mir die Reise durch Ruanda gefallen. Wir haben viele verschiedene Orte gesehen und ich fand es richtig spannend, wie unterschiedlich das Land ist. Besonders überrascht hat mich, wie grün Ruanda ist. Vor der Reise hatte ich eher gedacht, dass es in Afrika oft trocken ist. Aber in Ruanda ist fast überall alles grün und hügelig. Man versteht wirklich, warum es Land der tausend Hügel genannt wird. Sehr schön fand ich auch den Besuch bei unserer Partnerschule. Die Schülerinnen und Schüler dort waren sehr freundlich und offen. Ich hatte das Gefühl, dass Schule für sie eine viel größere Bedeutung hat als für viele bei uns. Viele waren richtig froh, lernen zu dürfen. Das hat mich nachdenklich gemacht, weil ich gemerkt habe, dass ich Schule manchmal zu selbstverständlich nehme. Gleichzeitig hat mich auch viel schockiert. Mich hat sehr überrascht, wie viele Menschen dort leben und wie wenig manche besitzen. Einige Häuser sind sehr einfach gebaut und die Menschen haben oft nicht das, was für uns normal ist, zum Beispiel ein gutes Badezimmer oder warmes Wasser. Ich fand das traurig und es hat mich zum Nachdenken gebracht. Trotzdem waren viele Menschen sehr freundlich und haben gelächelt. Das habe ich bewundert. Mein persönliches Highlight der Reise war die Vulkantour. Das war für mich ein unvergesslicher Moment. Die Natur dort war beeindruckend und ich war stolz, dass ich das geschafft habe. Ich werde dieses Erlebnis bestimmt nie vergessen.

Insgesamt hat mich die Reise sehr geprägt. Ich habe gelernt, meine eigenen Sachen mehr zu schätzen und dankbarer zu sein. Ruanda war für mich nicht nur ein schönes Land, sondern auch eine wichtige Erfahrung, die mir lange im Gedächtnis bleiben wird.“